Sonntag, 29.03.2020 – Judika

Ein Aussätziger kam zu Jesus und warf sich vor ihm nieder. »Herr«, sagte er, »wenn du willst, kannst du mich rein machen.« Jesus streckte die Hand aus und berührte ihn. »Ich will es«, sagte er, »sei rein!« 

Matthäus 8, 2-3

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Wer sich wie ich an die DDR erinnern kann, weiß um die endlose Zahl an Floskeln, die Partei und Staatsapparat bis zum Überdruss produzierten. Diese Floskeln zu kennen und zur rechten Zeit anzubringen, konnte über Zensuren und Prüfungen entscheiden; ja wohl von Zeit zu Zeit auch lebensrettend sein.

Eine davon war die von der „Einheit von Theorie und Praxis“. Das, was die Partei lehrte, sollte dann auch in der Realität umgesetzt werden. Und bei Bedarf wurde dann eben die Realität schöngeredet oder verbogen… 

Die Bibelverse oben gehören zu einer der vielen Begegnungen Jesu mit Aussätzigen, die von unserem Herrn und Heiland rein, heil und gesund gemacht wurden. Matthäus ordnet diese Episode unmittelbar nach Ende der großen „Theorieeinheit“ Jesu ein, wie man die berühmte Bergpredigt auch bezeichnen könnte. Der Praxistest folgt sofort, wie die Menschen im Gefolge Jesu aufmerksam beobachten:  Kann der Mann das, was er sagt, auch umsetzen? Wird sein Wort, das Wort Gottes, wirklich lebendige, heilende Kraft? Jesus will – und der Mensch wird gesund. Einheit von Theorie und Praxis!

Wie viele Corona-Infizierte werden wie der Aussätzige Jesus um Hilfe angefleht haben – leise oder auch als Schrei? Wie viele – gerade im ausgesprochen christlich geprägten Italien oder Spanien – sind nicht erhört worden und gesundet, sondern gestorben? Ist die Bitte um Heilung deshalb vergeblich, sinnlos?

Nein, keinesfalls! Sie gehört zu unserem Menschsein als Einheit von Leib und Seele! Jeder Mensch spricht auf ein heilsames Anrühren der Seele, auf den Blick Jesu ins menschliche Herz gewiss an – wir sollten Trost in der Krise nicht unterschätzen.

Noch sind wir meist am Rand Beobachter wie Betroffene der Corona-Krise (noch wissen wir von keinem Infizierten in unserer Gemeinde). Was heißt Einheit von Theorie und Praxis dann bei uns? Viel wird jetzt darauf ankommen, dass die medizinisch notwendige Isolierung nicht zur Lockerung von Beziehungen führt, sondern dass der räumliche Abstand zur Stärkung der inneren, und noch mehr der geistlichen Verbindung führt. Jesus hatte in der Bergpredigt Menschen mit reinem Herzen selig gepriesen. Gebete und Fürbitten solcher Menschen mit einem entsprechenden Verhalten sind gefragt!

Über die Gott sei Dank verflossene und manchmal recht herzlose DDR spotteten wir damals: „Die Theorie ist Marx. Die Praxis ist Murks.“ Machen wir es in Zeiten von Corona besser – gewiss heilsam für unsere Gesellschaft.

Ihr Pastor Ulrich Palmer

2 Antworten auf „Sonntag, 29.03.2020 – Judika“

  1. „Wer beten kann, bete.“ So war eine Aussage eines Arztes in New York in den Fernsehnachrichten zu hören. Er selbst schien fest entschlossen, sich weiter mit vollem Einsatz für die vielen schwer Erkrankten mit seinem Wissen und Können einzusetzen.
    Das können wir tun – Beten. Beten für die, die an den Betten der Schwer-kranken stehen, Beten für die Familien, die Angehörige durch COVID – 19 verloren haben, Beten, dass die Solidarität sich über Egoismen hinweg-setzt, Es gibt mutmachende Zeichen in unserer Gesellschaft. Vielleicht trägt auch ein Gebet dazu bei, dieses kleine Pflänzchen Hoffnung zur Blüte zu bringen, durch Hilfe und Unterstützung, Verständnis für die in unserem Alltag bislang unbekannten Einschnitte, die zweifelsohne schmerzen.
    Und es gibt bestimmt Möglichkeiten, einander Mut zu machen und z. B. abends um 19.00 Uhr sich mit ausreichend Distanz zum Abendlied zu verabreden. Wir haben es schon erprobt. Es wirkt ermunternd und verbindend.

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