Palmsonntag, 5.4.2020

Christus spricht: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.

Johannes 13, 15

Morgen beginnt mit dem Palmsonntag die ‚Stille Woche‘, deren bekannteste Tage der Karfreitag und der Gründonnerstag sind. Wussten Sie, dass man anderswo im deutschen Sprachraum nicht ‚Gründonnerstag‘ sagt, sondern ‚hoher Donnerstag‘? Hoch steht hier für ‚herausgehoben‘, besonders gewürdigt. Was ‚grün‘ bedeutet, weiß man nicht genau, es könnte auf die Wiederaufnahme der Büßer nach einer Exkommunikation als wieder ‚grünendes Holz‘ am ‚Stamm der Kirche‘ deuten.

Ein ‚hoher‘ Festtag ist zwar im Gegensatz zu einem ‚grünen‘ von vornherein als besonders wichtig erkennbar, was vor uns liegt, bleiben jedoch ein begriffliches Paradox: Wir gedenken der die äußersten Erniedrigung, die Jesus auf sich nahm – nach einhelliger Überzeugung der Christenheit zum Wohl, ja zur Erlösung aller Menschen.

Wie kann solch Gedenken für uns in Zeiten von Corona aussehen? Fragen wir zuerst: „Was würde Jesus heute tun?“ Er wäre gewiss nahe bei den Menschen. Angst vor Ansteckung hätte er vermutlich nicht. Er würde zu schlafen wagen, wo andere hektisch rotieren. Und dann würde er sich der Not konzentriert zu-wenden, wie bei der Stillung des Sturms. Mit Gottvertrauen ist eine Krise leichter zu bewältigen, weil es uns handlungsfähig hält!

Fragen wir weiter: „Wie kommen wir zu solcher Konzentration, solcher Klarheit im Tun und Lassen?“ Vielleicht, indem wir über unsere Lieblings-Bibelstellen hinaus einmal Zusammenhängen in Gottes Wort nachspüren. Ich staune immer wieder, wie unsere in Glaubensdingen oft im ‚Buchstabieralter‘ befindlichen KonfirmandInnen sich großartige, wirklich für ein Leben tragfähige Sprüche wählen – rational oft noch gar nicht begründbar. Schauen Sie als Menschen mit mehr Lebenserfahrung doch noch einmal auf Ihren Konfirmationsspruch, lesen Sie das ganze Kapitel aus dem er stammt! Und dann bedenken Sie für sich, wo in den zurückliegenden Jahren Jesus, gerade auch in seinem freiwilligen Leiden und Sterben, für Sie wichtig war – oder, was Sie im Blick auf die verbleibende Lebenszeit von ihm erwarten. Vielleicht blättern Sie auch durch die Rubrik ‚Passion‘ in Ihrem Gesangbuch und halten fest, welches Lied sie damals im Konfirmandenunterricht behandelt oder gelernt haben. Welches Passionslied spricht Sie heute an?

Wir feiern sonst an diesem besonderen Donnerstag miteinander, dass Jesus uns zur Erinnerung das Heilige Abendmahl stiftet. Das ist nun nicht möglich, bedingt durch Corona.

Die beschriebene Übung wird aber dem ‚hohen‘ Donnerstag genauso Würde und Inhalt geben, wie es auch das Mitverfolgen eines Fernsehgottesdienstes oder ein nachdenklicher, stiller Spaziergang (gerne auch bewusst als persönlicher Kreuzweg gestaltet) täte. Und statt einer Kollekte im Gottesdienst möge man gern eine Corona-Hilfsgruppe unterstützen oder eine Gabe in den (Hörnerkirchener) Opferstock legen; zum 18 Uhr-Läuten ist die Kirche offen.

Eine gesegnete Stille Woche wünscht Ihnen

Ihr Pastor Ulrich Palmer

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