Worauf lohnt es sich zu warten?

Advent ist die Zeit der Erwartung, sicher. Was aber antworten Sie auf die Frage: Worauf lohnt es sich zu warten? Und trauen wir uns an die Gegenprobe: Worauf lohnt es nicht, zu warten? 

Zwei Wegweiser zum Umgang mit der Zukunft möchte ich aufstellen: Auf der einen Seite führen zum Jahresende alle Jahre wieder Journalisten statistisch die Voraussagen von Hellsehern und Astrologen ad absurdum, die ja immer nur ein Jahr im Voraus beurteilen sollten. Auf der anderen Seite ist verblüffend, wie genau man 1990 schon den heutigen Zerfall der US-amerikanischen Gesellschaft voraussagen konnte, wenn man auf die richtigen Indikatoren zu Grunde legte. (So berichtete es die jüngste Ausgabe der Herder-Korrespondenz unter dem Titel „Macht ohne Sinn.)

Auf Zeichen der Zeit zu achten und bei ihrem Eintreffen nicht „Weltuntergang“ zur rufen, sondern den Kopf der nahen Erlösung entgegen auszurichten, hat Jesus uns gemahnt. Wann das sein wird, wissen wir nicht; Gott allein bestimmt dazu Tag und Stunde. Ob und wie die Corona-Pandemie auf Gottes To-do-Liste steht, sie gar ein Zeichen des bevorstehenden Weltendes ist, ob es sich lohnt, ihn mit Bitten um ihre Überwindung zu bestürmen – wir wissen es nicht. Wir können aber wissen, dass sich der Einsatz des von Gott geschenkten Verstandes lohnt, der Möglichkeiten des Handelns erkennt und Grenzen der Handlungsfähigkeit respektiert. Und genauso können wir wissen, dass Nächstenliebe schenken und sich damit beschenken lassen immer im Sinne Jesu ist – seine Nähe also vermutet und geglaubt werden darf, wo man sich darauf einlässt. 

Mit meiner Antwort auf die eingangs gestellte Frage möchte ich Ihnen einen gesegneten dritten Advent wünschen: Warten wir nicht auf ein wunderbares Ende der Pandemie, die wir dann als Eingreifen Gottes ausgeben könnten! Warten wir aber auf die nächste Gelegenheit, Liebe zu erweisen oder darauf, Freundlichkeit ohne Arg anzunehmen. Das wäre in meinen Augen eine sehr adventliche Haltung. 

Ihr Pastor Ulrich Palmer 

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