Sonntag, 19.4.2020 – Quasimodogeniti

Meine Widersacher umgeben mich wie Bienen, /
sie entbrennen wie ein Feuer in Dornen;
aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren.
Man stößt mich, dass ich fallen soll; aber der HERR hilft mir.
Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

Aus Psalm 118

Liebe Gemeinde! Liebe Leser unserer Webseite!

„Der Herr ist auferstanden!“ So grüßen sich die Christen in der Osterzeit, und die entsprechende Antwort ist dann: „Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!“ Die einen würden sich freuen, wenn sie so – und nicht nur mit „Frohe Ostern!“ –  begrüßt würden und sich damit als Gläubige zu erkennen geben.  Manch einer würde uns wohl verwundert anschauen und zeigen, dass Glauben nicht (mehr) selbstverständlich ist.

Neben dieser unmittelbaren, nur so hervorsprudelnden Osterfreude fanden die Christen auch in den Heiligen Schriften, unserem Alten Testament also, Bilder, die sie übernehmen konnten. So wurde der damals bereits hunderte Jahre alte 118. Psalm schon früh mit Ostern verknüpft. An diesem wie an anderen der alten Texte fällt die Spannweite der Gedanken auf: Der Psalmbeter verschweigt die durchgemachte äußerste Not nicht! Wie von wildgewordenen Bienen umschwärmt oder vom Waldbrand eingeschlossen sah er sich. Aus der Überwindung dieser Notlage bricht dann der Jubel auf. Und er hat ein Ziel, der Dank eine Adresse. Es heißt nicht „Noch mal Glück gehabt!“ oder schulterklopfend: „Da habe ICH ja die Kurve nochmal gekriegt!“ Sondern es geht um das Leben als Gottes Sache – Gott behält den Sieg.

Da schrieben die Christen leicht den österlichen Sieg über den Tod ein. Auch das Wort vom verworfenen Stein, der zum Eckstein wird, schien direkt auf Jesu Kreuz und Auferstehung zu deuten. 

Tragen uns diese Bilder heute noch? Wenn ja, wie kommunizieren wir sie? Wenn nein – wie finden wir gemeinsam neue Bilder und Worte? 

Es wäre schade, wenn der alte Ostergruß ins Kuriositätenkabinett geriete, so wie es einem anderen Christengruß in Literatur und Film gelegentlich geschieht: Die frohe Botschaft, dass Jesus immer und auf ewig zuerst kommt, wird zur Routineübung degradiert; die Formel „Gelobt sei Jesus Christus!“ mit ihrer Antwort „In Ewigkeit, Amen!“ nur noch heruntergeleiert.

2020 fällt die Lockerung der Corona-Einschränkungen in die bis Himmelfahrt währende österliche Freudenzeit. Bis jetzt sind es Ankündigungen – aber sie lösen umgehend Freude über die wiederkehrende Bewegungsfreiheit aus. Wir dürfen von Herzen gern in diese Freude einstimmen. Wer mag, mit den uralten Psalmworten: „Wir werden nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“

In heutiger Sprache könnte Ostern so beschrieben werden (Machen Sie gern ihre eigenen Versuche!):

  • Wir werden unsere Sterbenden nicht allein und nicht einfach anonym verschwinden lassen.
  • Wir werden auf einander bezogen und hilfreich-menschenfreundlich statt egoistisch leben und uns immer wieder neu hoffnungsvoll vom Leben überraschen lassen.
  • Und unser Gottvertrauen wird uns vor Panikmache bewahren und getrost und zuversichtlich auch die anstehenden Aufgaben angehen lassen, eine Gesellschaft nach schwerer Krise wieder in Gang zu bringen. Gerade die scheinbar kleinen und unbedeutenden Beiträge sind dabei unverzichtbar.

Gott will nicht, dass wir untergehen. Er will auch nicht, dass wir uns selbst bemitleiden. Zuwendung zum Leben voller Dankbarkeit – auch und gerade an die Entscheidungsträger und Helfer in Politik und Gesundheitswesen, aber auch an den wieder offenen Himmel. Denn Dankbarkeit Gott gegenüber dürfte EIN wesentliches Mittel sein, das in der Zeit der Krise Gelernte nicht postwendend über Bord zu werfen, sobald der Boden unter den Füßen wieder etwas fester ist. Auch im 21. Jahrhundert bleibt unser Dasein bedroht. Und auch in dieser Zeit noch ist Jesus Christus ein guter Eckstein für das Leben. AMEN.

Ein Vorschlag zum Mitbeten:

Unser Gott, du bist ein Freund des Lebens. Mit dem Sieg Jesu über den Tod hast Du dies Ostern unübersehbar deutlich gemacht. Dafür danken wir dir! Schenke uns das Strahlen des österlichen Lichts auch in dieser Zeit mit so vielem Dunkel. Wir dürfen daraus leben und davon weitergeben. Dir sei Ehre in Ewigkeit. 

Vater unser, der Du bist im Himmel,
geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe;
wie im Himmel so auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie wir auch vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen

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